Zgierz (Lc0003)

Zgierz ['zgʲεʃ]ⓘ/? (deutsch 1943–45 Görnau) ist eine mittelgroße Kreisstadt und Stadtgemeinde mit etwa 58.000 Einwohnern. Sie liegt in der Woiwodschaft Łódź in Zentralpolen und im Tal des Flusses Bzura.


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Koordinaten: 51.86195893167598, 19.404282697496047


Infos

Von der römischen Zeit bis 1793

In der Nähe der heutigen Stadt existierte zwischen 200 und 300 n. Chr. auf einem Hügel eine Siedlung, die dank der Nähe zur Bernsteinstraße florierte. Bei Ausgrabungen wurden viele Münzen aus dem Römischen Imperium, aus dem Rheinland importierte Gefäße des Typus Terra sigillata (siehe: Striegau), römische Schwerter und Luxusgegenstände gefunden.

Erstmals erwähnt wurde die Stadt am 23. März 1231 anlässlich einer Zusammenkunft der Piasten, u. a. der Herzöge Konrad I. von Masowien und Wladyslaw von Großpolen. Wenig später, um 1250, wurde die Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus erbaut. Den Status als Stadt besitzt Zgierz mindestens seit dem Jahr 1288, als sie zum ersten Mal in einem Dokument als solche bezeichnet wurde. Sie wird deshalb als die älteste Stadt des Łódźer Landes angesehen. Etwa 132 Jahre später, am 23. April 1420, bestätigte König Władysław II. Jagiełło der Stadt das Stadtrecht. Dessen Sohn Kasimir IV. der Jagiellone, zu diesem Zeitpunkt inzwischen selbst König, verpachtete am 2. Januar 1473 Zgierz und die umliegenden Dörfer an den Aristokraten Piotr Dunin.

Die kleine Holzkirche zu den Heiligen Laurentius und Joseph wurde 1643 errichtet. Im Jahr 1564 hatte Zgierz 129 Häuser und 774 Einwohner, darunter 13 Brauer, 7 Schankwirte und 33 Handwerker. Ungefähr ein Jahrhundert später, im Jahr 1661, hatte die Stadt nach dem Schwedischen Krieg nur noch 10 Häuser und 70 Einwohner. Ungefähr ein weiteres Jahrhundert später, im Jahr 1765, hatte sich Zgierz wieder etwas erholt. Nun bestand der Ort aus 56 Häusern und 392 Einwohnern, darunter 40 Handwerker.

Preußische, napoleonische und russische Zeit (1793–1914)

Als Folge der Zweiten Teilung Polens kam Zgierz 1793 zu Preußen (neugebildete Provinz Südpreußen). Die Stadt hatte damals 315 Einwohner und 64 Häuser. Die Bevölkerung ernährte sich vor allem von der Landwirtschaft, es gab nur 15 Handwerker. Die preußischen Behörden machten Zgierz zur Kreishauptstadt (der Kreis umfasste eine Fläche von 1326,2 km² und fünf Städte). Unter anderem gehörte die heutige Großstadt Łódź zum Kreis Zgierz. Die preußische Herrschaft dauert bis 1807.

Nach einer kurzen Phase als Teil des napoleonischen Herzogtums Warschau wurde die Stadt 1815 Teil des dem russischen Zaren unterstehenden Kongresspolens. Die Regierung Kongresspolens wollte 1817 in Zgierz und der Umgebung ein Industriezentrum schaffen. Deutsche Webermeister, vor allem aus Schlesien, wie Johann Friedrich Zachert, Karl August Meisner, Friedrich Karl Moes, Karl Gottlieb Saegner, Johann Heinrich Teske und Johann Georg Viertes, ließen sich in der Stadt nieder und gründeten Textilfabriken, von denen einige bis zum 20. Jahrhundert existierten. 1823 arbeiteten in Zgierz u. a. 193 Webermeister und es gab 202 Weberwerkstätten (in Łódź zum Vergleich gab es damals neun Meister und neun Werkstätten). Die evangelische Kirche wurde 1826 erbaut (der erste Pfarrer hieß Ernst Bando). Im selben Jahr wurde auch der Stadtpark angelegt. Zudem kam es zu einer Aufruhr der Gesellen gegen die Meister. Die Stadt hatte damals 4527 Einwohner. Nach dem niedergeschlagenen polnischen Novemberaufstand verhängten die russischen Behörden 1831 ein Einfuhrverbot der polnischen Waren in das russische Kernland. Viele Einwohner der Stadt emigrierten nach Russland, die Stadt büßte ein Drittel der Einwohner ein; 75 % der Werkstätten werden geschlossen. In der Folge wurde Łódź zum Zentrum der Tuchproduktion in Kongresspolen. Die Gebrüder Moes aus Aachen gründeten 1838 eine neue Wollweberei, bald eine der größten Fabriken in Zgierz.

1845 hatte Zgierz zwei Grundschulen, eine katholische und eine evangelische, sowie eine dreiklassige Realschule mit 82 Schülern. Das evangelische Pfarrhaus wurde 1857 errichtet (1939 wurde es zerstört). Die Stadt hatte 1860 12.016 Einwohner, darunter 5242 Polen, 4170 Deutsche und 2601 Juden. Sie verfügte über 456 Häuser, fünf Fabriken mit Dampfantrieb, drei Hotels, 24 Schankwirtschaften, eine Apotheke und eine Stadtbibliothek. 1866 wurde die neue Synagoge erbaut. In den Textilfabriken der Stadt waren 1887 1278 Arbeiter beschäftigt, davon waren 49,1 % Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren. Die evangelische Gemeinde stiftete 1889 ein Hospital für Obdachlose, Alte und Kranke. Der erste Kindergarten für Arbeiterkinder wurde 1893 eröffnet. 1895 hatte Zgierz 48 größere und 48 kleinere Fabriken, die 9000 Arbeiter beschäftigten. Ihr Jahresumsatz erreichte die Summe von 12 Millionen Rubel, der Hauptabnehmer war der russische Markt. Zwei Jahre später fand die erste Volkszählung statt. Zgierz hatte 1897 19.108 Einwohner, davon hatten als Muttersprache 11.724 Personen Polnisch, 3794 Deutsch, 3492 Jiddisch, 95 Russisch und drei Personen andere Sprachen. Als Konfession gaben 11.417 Personen katholisch, 4030 evangelisch, 3548 jüdisch, 85 russisch-orthodox und 28 baptistisch an. Am 19. Januar 1901 wurde eine Straßenbahnlinie nach Łódź in Betrieb genommen.[2] Außerdem wurden zwei städtische Sparkassen gestiftet. 1903 bekam Zgierz eine Eisenbahnverbindung mit Łódź und Łowicz. Zwischen 1905 und 1906 kam es zu großen Streiks in den Fabriken von Zgierz, am 1. Mai 1906 fand ein Generalstreik statt. Die erste Pfadfinder-Organisation entstand 1911. Die Stadt hatte 1909 18.483 Einwohner, davon waren 4885 katholisch, 5336 evangelisch, 4430 jüdisch und 3802 Personen bekannten sich zu anderen Konfessionen. 1913 hatte Zgierz bereits 21.723 Einwohner (davon 10.389 Männer und 11.334 Frauen). Von diesen waren 11.197 Polen, 5651 Deutsche, 4711 Juden, 72 Russen, 77 Litauer, neun Franzosen und sechs Engländer. In diesem Jahr wurde auch die neue Stadtbibliothek eröffnet.